Meine Absicht heute Morgen früh war es, von Arch nach Aarberg zu wandern, ungefähr 6.5 Stunden. Das Spätsommerwetter war zwar sehr schön aber die aufkommende Hitze bewog mich, in Oberwil vor Schnottwil zu unterbrechen. Der Weg dorthin war „einewäg“ spannend genug.
Die Schweiz ist ein faszinierendes Land der gelben Wanderwegweiser, fast ein Sinnbild unseres Landes – nicht so in der Region Büren a.A. bis Aegerten (bei Lyss).
Die Lokalsektion der Schweizerischen Wanderwege ist dort äusserst kreativ: In Arch sind die Wegweiser wie üblich knallgelb auf Hochglanz poliert und führen den einsamen A-Marsch-Wanderer unmittelbar ins bewaldete Dickicht, von wo es nur einem erfahrenen Infanteristen gelingt, wieder hinauszufinden. Die Wanderwegzeichen, sofern vorhanden, sind derart willkürlich verstreut, dass ich nur davon ausgehen kann, dass bei einem sehr feucht-fröhlichen Jahrestreffen der Wanderwegsektion alle Zeichen entfernt werden und dann in einem lustigen Potpourri auf einer Landkarte nach dem höchsten Grad stochastischer Unwahrscheinlichkeit neu verteilt werden. Langer Rede, kurzer Sinn. Grenadiere (Gring abe und seckle), Füsiliere (wo gibt es einen Weg?), OL-Läufer/innen (jeder Stein bedeutet mir was) und Aufklärer (ich kläre mich auf) findet man irgendwann einen Weg; alle anderen sind verloren.
Den Höhepunkt bildete folgendes Signal, welches höchstens zur Spontankopulation einsamer Wanderer führen soll, aber keinen Hinweis auf die weitere Wegführung gibt:

Den lustigen Beginn machte schon der Anfang mit dem Ortsnamen Arch. Hätte dieser ein S in der Mitte, reimte er sich wenigstens mit A-Marsch – dafür könnte die Ortschaft Bitsch im Goms auf ebendiesen S verzichten, worauf wir definitiv in der Grauzone der Anzüglichkeiten landen – ich will ja nicht gecancelt werden – darum lassen wir das Thema.


Nun der Weg (respektive meine Spürnase) führt mich während 1.5 Stunden durch den Wald Richtung Schnottwil, wo ich auf der Karte unermutet im Rütiwald (komischer Name, weil etwas entweder gerüttet ist oder ein Wald, passt zur Region) den Flurnamen „Tüfelsburg“ entdecke. Nichts wie hin, sprach ich lauthals zu mir, hub an zu suchen und fand einen glazialen Härtling, mitten im Wald aus der Schmelzzeit der letzten Eiszeit (ca. 8’000 Jahre).


Diese Tüfelsburg ist eine eindrückliche, etwa 20 Meter hohe von sehr steilen Flanken abgegrenzte Erhebung. Kein Findling, dazu viel zu gross, kein Vulkan (Molasse-Nagelfluh), sondern ein Überbleibsel massiver Schmelzströme, die damals das Schweizer Mittelland durchzogen und durch die nachfolgende Flusserosion noch weiter abgegraben wurde – sehr hübsch und sehr ruhig. Die Eiszeit begleitete mich weiter, weil die ganze Landschaft eine einzige Grundmoränen-Landschaft darstellt, in welchen Spuren von Drumlins (Erhebungen in Fliessrichtung des Gletschers und kleine Seitenmoränenstadien einfach zu erkennen sind. Vielleicht grüsse mich mit gutturalen noch Ötzi, hoffte ich, aber Ötzi wanderte über die damals unvergletscherten Alpen vor 6000 Jahren aus dem Tirol Richtung Norden. Ja richtig gelesen: unvergletschert bis 3500 Meter. Die Klimakatastrophe fand schon damals statt, ganz einfach, weil sich die planetaren Erd- und Planteneparameter halt fortlaufend verschieben, sich gegenseitig aufheben oder kumulieren – wie auch heutzutage – aber hier höre ich auf, sonst werde ich doppelt gecancelt.



Interessant war auch die Hinterlassenschaft eines Hundehalters, welcher sichtbar säuberlich den Kot seines Hundes (Grösse, Konsistenz und Textur weisen auf Dackel, Mikropudel oder Polonka hin) verpackte und das Plastiksäcklein mitten auf dem Wanderweg deponierte.

Von Oberwil nahm ich dann den Bus nach Münchenbuchsee und die SBB brachte mich (mit Mittagsschlaf) zurück nach Luzern. Nächstes mal geht es von Oberwil bis Aarberg, wenn es etwas kühler wird.